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11. Oktober 2026 · 7 Min. Lesezeit · OldtimerDruck Werkstatt

Dodge WC Bremsen einstellen: Sollwerte aus dem TM 9-808

Dodge WC Bremsen einstellen: Sollwerte aus dem TM 9-808

Das Pedal geht zu weit runter, eine Trommel schleift oder die Handbremse hält am Hang nicht mehr: Bei einem Dodge WC landet man früher oder später an den Bremsen. Das Werkstatthandbuch TM 9-808 vom 8. Mai 1944 beschreibt die Einstellung Schritt für Schritt, mit Fühlerlehre und Maßen in Zoll. Dieser Artikel fasst die Werte und Abläufe aus dem Handbuch zusammen. Alle Angaben stammen aus der deutschen Ausgabe des TM 9-808, die Seitenangaben beziehen sich auf diese Ausgabe.

Das Handbuch gilt für die ¾-Tonner WC-51 und WC-52 (Waffenträger, der WC-52 mit Seilwinde), WC-53 (Carryall), WC-54 (Krankenwagen), WC-56 und WC-57 (Kommando), WC-59 und WC-60 (siehe Seite 6).

So ist die Bremse aufgebaut

Die Fußbremsen sind hydraulische Innenbackenbremsen an allen vier Rädern. Der Hauptbremszylinder drückt die Bremsflüssigkeit mit gleichem Druck in alle vier Radbremszylinder, deren zwei Kolben die Backen gegen die Trommeln drücken. Weil der Druck an allen Rädern gleich ist, gibt es laut Handbuch keine Einstellung zum Ausgleich des Backendrucks (Seite 287). Eingestellt wird nur das Spiel zwischen Belag und Trommel.

Die Handbremse ist davon unabhängig: eine Trommel hinten am Getriebe mit einem Bremsband, das über die Differentiale auf die Räder wirkt (Seite 298).

Prüfen vor dem Einstellen

Für den Fahrbetrieb nennt das Handbuch klare Sollwerte (Seite 50): Die Fußbremse soll den Wagen bei etwa 1/2 des gesamten Pedalwegs sanft zum Stehen bringen. Das Pedal soll 7/16 Zoll Leerweg haben, bevor Widerstand spürbar ist, und nach dem Loslassen sofort zurückkehren. Die Handbremse soll den Wagen an einer angemessenen Steigung halten und dabei 1/4 bis 1/3 des Rastwegs als Reserve lassen.

Bevor du an den Backen drehst, verlangt das Handbuch zwei Dinge: Die Kolbenstange des Hauptbremszylinders muss richtig eingestellt sein, und die Radlager dürfen kein Spiel haben (Seite 287). Außerdem: Bremsbacken nicht bei heißen Trommeln einstellen, denn die Trommeln ziehen sich beim Abkühlen zusammen, und die Bremse schleift danach.

Die kleine Einstellung: Exzenter nachstellen

Die kleine Einstellung gleicht Belag- und Trommelverschleiß aus oder beseitigt Schleifen. Gedreht wird nur an den Bremsbacken-Exzentern, die die gelöste Stellung der Backen bestimmen (Seite 287):

  1. Rad anheben, bis der Reifen frei ist.
  2. Rad drehen und einen Exzenterbolzen verstellen, bis die Backe die Trommel berührt und schleift.
  3. Exzenter in Gegenrichtung zurückdrehen, bis das Schleifen gerade weg ist.
  4. Die zweite Backe genauso einstellen, dann die übrigen drei Räder.
  5. Flüssigkeitsstand im Hauptbremszylinder prüfen: Liegt er mehr als 3/4 Zoll unter der Öffnung, auffüllen.

Die große Einstellung: Ankerbolzen und Fühlerlehre

Die große Einstellung richtet die Ankerbolzen so aus, dass der ganze Belag an der Trommel anliegt. Sie ist nach dem Wechsel von Backen und Belägen oder nach dem Ausdrehen oder Ersetzen der Trommeln fällig (Seite 288). Wichtig ist der Hinweis im Handbuch: Während der Einstellung nicht auf die Bremse treten, weil die dadurch entstehende Verformung eine genaue Einstellung unmöglich macht.

  1. Rad abnehmen und zwei Radmuttern wieder festziehen, damit die Trommel richtig ausgerichtet bleibt.
  2. Kontermuttern der Ankerbolzen lösen und die Bolzen ganz in die gelöste Stellung drehen: Die Punkte jedes Bolzenpaars zeigen zueinander, die Abflachungen liegen in einer horizontalen Ebene. Am besten prüfst du das mit einem Lineal an den Abflachungen.
  3. Einstellnocken so drehen, dass eine 0,006-Zoll-Fühlerlehre stramm zwischen Belagspitze und Trommel passt.
  4. Ankerbolzen in Pfeilrichtung (Abbildung 170) drehen, bis das Spiel am hinteren Belagende ebenfalls 0,006 Zoll beträgt. Dabei wandert die Backe nach unten und außen, das Spiel am vorderen Belagende wächst auf ca. 0,012 Zoll, und die Backe ist zentriert (Seite 290).
  5. Ankerbolzen gegen Verdrehen halten und die Kontermuttern fest anziehen.
  6. Ist der Pedalweg danach zu groß, das Spiel am vorderen Belagende verringern. Die Bremse darf nicht schleifen.
  7. Deckel der Kontrollöffnung in der Trommel wieder anbringen, Rad montieren, Flüssigkeitsstand prüfen.
EinstellwertSollwert laut TM 9-808Seite
Spiel Belagspitze zur Trommel (Nocken)0,006 Zoll289
Spiel hinteres Belagende (Ankerbolzen)0,006 Zoll291
Spiel vorderes Belagende, Ergebnisca. 0,012 Zoll291
Pedal-Leerweg7/16 Zoll292
Handbremse: Spiel Trommel zu Belag am Anker0,010 Zoll bis 0,012 Zoll299
Handbremse: Spiel Trommel zu Bandunterseite0,010 Zoll bis 0,012 Zoll299

Pedal-Leerweg einstellen

Der Leerweg wird über die Länge der Kolbenstange zwischen Pedal und Hauptbremszylinder eingestellt (Seite 291). Kontermutter vorn an der Stange lösen und die Stange drehen, bis das Pedal 7/16 Zoll Leerweg hat. Prüfe vorher die Anschlagschraube: Berührt das losgelassene Pedal den hinteren Motorträger, die Schraube im Halter weiter hineindrehen.

Der Leerweg ist kein Komfortwert. In der Fehlersuche (Seite 129) steht, warum: Ohne Freigang deckt der Kolbendichtring des Hauptbremszylinders die Nachfüllöffnung ab, und die Bremsen lösen nicht. Wenn also alle vier Räder schleifen, lohnt sich zuerst der Blick auf die Kolbenstange.

Bremse entlüften

Nach dem Tausch eines Radbremszylinders oder des Hauptbremszylinders verlangt das Handbuch das Entlüften (Seite 291 bis 293). Ohne Befüllgerät geht es so: Hauptbremszylinder mit sauberer, frischer Bremsflüssigkeit füllen. Am Radbremszylinder den Entlüfterschlauch anschließen, das freie Ende in ein Gefäß mit Bremsflüssigkeit tauchen und die Entlüfterschraube öffnen. Pedal langsam etwa bis zur Hälfte treten und zurückkommen lassen. Hauptbremszylinder ständig nachfüllen und wiederholen, bis klare, blasenfreie Flüssigkeit kommt. Das an allen vier Radbremszylindern. Zum Schluss den Stand auf 3/4 Zoll unter der Einfüllöffnung bringen.

Mit Befüllgerät gibt das Handbuch 25 Pfund Luftdruck auf den Befülltank vor.

Ein Detail zum Flüssigkeitsstand: Die Kapitel zur Bremse und zur Inbetriebnahme nennen 3/4 Zoll unter der Öffnung (Seite 23 und 287). Der Schmierplan dagegen schreibt vor, alle 1.000 Meilen den Stand zu prüfen und bis ½ Zoll unter der Öffnung aufzufüllen (Seite 61). Beide Angaben stehen so im Original.

Handbremse nachstellen

Die Einstellung erfolgt in fünf Schritten (Seite 298): Zuerst die Bremsstange so einstellen, dass bei ganz gelöstem Hebel die Nockenhebel flächig am Band anliegen. Dann die Ankerklammerschraube auf 0,010 Zoll bis 0,012 Zoll Spiel zwischen Trommel und Belag am Anker stellen und wieder mit Draht sichern. Danach die Halterungseinstellschraube auf dasselbe Spiel zur Bandunterseite bringen und kontern. Die Einstellmuttern herunterdrehen, bis die Halterungseinstellschraube gerade entlastet ist, und kontern. Ein neues Band, das noch keinen perfekten Kreis bildet, stellst du nach, sobald sich der Belag eingeschliffen hat.

Wenn es trotzdem nicht passt

  • Bremse greift erst nach mehrmaligem Pumpen: Backenspiel zu groß, Exzenter einstellen; oder Flüssigkeit strömt an einer Kolbenmanschette im Haupt- oder Radbremszylinder vorbei.
  • Schwammiges Pedal: Ankerbolzen falsch eingestellt oder zu wenig Bremsflüssigkeit, auffüllen und entlüften.
  • Bremse greift ruckartig, rattert oder bremst ungleichmäßig: Fett oder Bremsflüssigkeit auf dem Belag, loser Belag, oder Backen mit unterschiedlichem Belagtyp.

Die vollständige Fehlertabelle steht auf Seite 128 und 129. Belag bis auf die Nieten abgenutzt, lose oder verölt: Dann sieht das Handbuch den Tausch der Backen samt Belag vor (Seite 293).

Originalvorgaben von 1944

Alle Werte sind die Vorgaben der damaligen Zeit. Das gilt besonders für Betriebsstoffe: Das Handbuch spricht schlicht von Hydraulik-Bremsflüssigkeit. Was heute in deine Anlage gehört, kann davon abweichen, das solltest du vor dem Befüllen klären. Weitere Handbücher findest du auf der Übersicht der Dodge-Handbücher.

Das komplette Dodge WC ¾-Ton Werkstatthandbuch (TM 9-808) auf Deutsch enthält neben den Bremsen auch Schmierplan, Fehlersuche, Motor, Achsen und Seilwinde. Du bekommst es als PDF sofort zum Download oder gedruckt für die Werkbank.

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